Picos „besetzen“ Dilsberger Burg und lassen sie erstrahlen

Lichtinstallation von Tai M. Lüdicke als Hommage an die Burg
27. Juli 2008
 

So manch aufmerksamer Betrachter dachte zunächst an eine „Fata Morgana“ als er von der Ferne bei Tageslicht so etwas wie Stangen auf der Burg Dilsberg sichtete. Eine Art Gerüst auf der Burg oder was konnte das sein?
 

Erst die Dämmerung brachte etwas Licht ins Dunkle, denn die vermutlichen Stangen entpuppten sich als sechs Leuchtkegel, welche die historischen Burgzinnen in eine wechselnde Farbenpracht tauchten und weithin wie eine Krone erstrahlen ließen. Viele Bewohner der Gemeinde, aber auch Beobachter aus der Umgebung zog es an den Schauplatz, um sich ein genaues Bild zu verschaffen.
 

Was war der Auslöser für diese Aktion? Tai M. Lüdicke besitzt ein Atelier für dreidimensionale Gestaltung und liebäugelte schon lange mit dem Gedanken, seine Arbeiten auf dem Dilsberg zu zeigen. Dem neuen Burgpächter Andreas Weber, den mit dem Künstler eine Freundschaft verbindet, gefiel die Idee und betrachtet die Aktion als Hommage an die Burg. Zeitgleich mit den Dilsberger Burgkonzerten setzte der Heidelberger Künstler mit seinen eindrucksvollen Gebilden ein Pendant zu den gängigen Feuerwerken.
 

Sechs „Picos“, wie man die aus ultraleichtem Industrienylon gefertigten Leuchtkegel bezeichnet, mit einer Höhe zwischen sechs und sieben Metern wurden auf der Burg installiert. Dazu waren drei Leute, zwei Tage lang, jeweils 14 Stunden vonnöten, um das Material über die vielen Treppenstufen auf den Turm nach oben zu transportieren.
 

Es kostete viel Zeit bis jedes Pico auf der Zinne genau im Wasser stand und verankert war. Die Ursache dafür ist kein statisches Problem, die Leuchtkegel wiegen fast nichts, vergleichbar, sondern ein optisches. Eine geringe Abweichung von einigen Zentimetern würde sich bei einer Höhe von sieben Metern, mit einer Neigung von etwa 20-30 cm auswirken und die Symmetrie stören.
 

Die Picos werden auf zahlreichen Rock- und Klassikevents installiert, sind aber auch für Firmen- und Privatfeiern eine Bereicherung. Während des Burgkonzerts am Samstagabend wechselten die Farben passend zum Takt der Musik. Dieser Impuls lässt sich einstellen aber auch akustisch auslösen.
 

Die Kegelform bietet den Vorteil, dass sie bei geringstem Staudruck steht und nur kleine, leise Ventilatoren benötigt. Das Licht wird gebündelt und hat bis in die Spitze denselben Farbton. Die verwendeten Halogenstrahler arbeiten im Niedrigvoltbereich und benötigen lediglich eine Spannung von 12 – 24 Volt. Zu jedem Kegel führt ein Kabel für Licht und Strom, dadurch erhält jeder ein verschiedenes Signal, was sich über das Mischpult steuern lässt. Diese kreativen Möglichkeiten faszinierten den „Nachwuchs“ und inspirierten eine junge Dame zu eigenen Farbspielen.
 

Text Beate Oemler
Bilder: Burkhard Zantopp